Měsíčku na nebi Hlubokém. Arie der Rusalka
Op. 114Lied an den Mond
Komponiert: 1900
Uraufführung der Oper, 31.03.1901 in Prag
Diese Arie ist der leuchtende Ruhepunkt am Beginn von Rusalkas Geschichte. In einer Nachtstimmung, die nicht dekorativ ist, sondern innerlich, wendet sie sich an den Mond, als wäre er der einzige Zeuge, dem sie ihre Sehnsucht anvertrauen kann. Dvořák schreibt eine Melodie, die wie ein einziger langer Atem wirkt, schlicht in der Linie, aber voller feiner Schattierungen. Der Gesang scheint eher zu schweben als zu schreiten, und das Orchester umhüllt ihn mit weichem Glanz, als würde Licht über Wasser ziehen.
Gerade die Tonart und die sanfte Bewegung machen den Zauber aus. Alles klingt nach Nähe und doch nach Unerreichbarkeit, nach Hoffnung und der Angst, dass sie sich im Moment des Wünschens schon wieder verliert. Die Arie erzählt deshalb nicht nur von Liebe, sie zeigt eine Existenz zwischen den Welten, zwischen Natur und Mensch, zwischen Traum und Entscheidung. Ihre Wirkung ist so unmittelbar, weil sie nicht opernhaft auftrumpft, sondern intimes Sprechen in Musik verwandelt, und daraus jene berühmte, zeitlose Melancholie gewinnt, die Rusalkas Gestalt bis heute prägt.