Große Vergangenheit leuchtete wieder auf


“Neues Volksblatt” vom 25.04.2015
Ressort: Kultur

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Neues Volksblatt Linz

Große Vergangenheit leuchtete wieder auf

Auf eine große Vergangenheit kann der japanische Cellist Tsuyoshi Tsutsumi (*1942) blicken, aber er ist immer noch ein weltweit gefragter Solist — sogar als Präsident der Suntory Hall in Tokio bereist er noch immer wichtige Konzerthäuser. Mit dem Wiener Kammerorchester und dessen Chefdirigenten kam er ins Linzer Brucknerhaus, um Luigi Boccherinis Violoncello-Konzert Nr. 9 B-Dur G 482 zu spielen. Die große Vergangenheit leuchtete immer wieder auf in den eher langsamen Passagen, die mit einem eigenen silbrigen Klang über dem Orchester hörbar wurden. Gleichsam als Umrahmung des Solokonzerts kam zu Beginn das Adagio für Streicher op. 11 von Samuel Barber als lyrische Hinführung, und nach der Pause das Sextett Nr. 1 B-Dur op. 18 von Brahms in der Fassung für Streichorchester. Ein Paradestück der Romantik, mit melodischem Reichtum und einprägsamen Variationen, von Vladar sorgsam gelenkt und bis zum Schluss mit gesteigerter Tempowahl zum Höhepunkt gebracht. Viel Zustimmung, wenn auch im halbleeren Saal.

Chr. Grubauer